CVJM Langenheide
100 Jahre CVJM Langenheide - ein Blick in die Geschichte
1921 sammeln sich 30 Jungen und Männer vor der Bäckerei Gehring. Alle sind feierlich gekleidet. Einige setzen sich, andere postieren sich hinter den Sitzenden. Die Versammelten halten Instrumente in den Händen, eine große Pauke steht im Vordergrund. Mit ernster Miene blicken die Anwesenden geradeaus, niemand darf sich bewegen. Der Auslöser wird gedrückt, das lichtempfindliche Papier belichtet. Nach der Entwicklung werden die Konturen eines Bildes sichtbar, das heute den Beginn einer hundertjährigen Geschichte markiert. Es zeigt die Mitglieder des CVJM Langenheide.
Wer wissen will, wie es zu dieser Aufnahme kam, muss zurück bis ins 19. Jahrhundert blicken. In dieser Zeit breitet sich die Erweckungsbewegung durch Johann Heinrich Volkening in Minden-Ravensberg aus. Ziel ist ein tiefes christliches Lebensgefühl durch „Äußere“ und „Innere Mission“. Dafür werden Missionsfeste abgehalten, bei denen die Musik als Verkündigungsinstrument eine zentrale Rolle spielt. Ohne Orgel vor Ort muss imposanter Ersatz gefunden werden. Deshalb entstehen die ersten Posaunenchöre in Minden-Ravensberg (der älteste wird 1843 in Jöllenbeck gegründet).
In Langenheide tun sich, beseelt von der Erweckungsbewegung, die eingangs beschriebenen 30 Jungen und Männer zusammen. Nicht von ungefähr posieren sie vor der Bäckerei Gehring. Hier wird anfangs auf dem Mehlboden geprobt. Das erste schriftliche Dokument des CVJM Langenheide stammt aus dem Jahre 1927. Auf einem Fragebogen des „Westdeutschen Jünglingsbundes e.V.“ bestätigt der Vorstand (Heinrich Wittler, Heinrich Herzog, August Lohöfener, Hermann Heidbrink) die Gründung des Vereins im Jahre 1921 und gibt Auskunft über die Situation.
Die beiden aktiven Gruppen sind zu dieser Zeit der Posaunenchor mit 16 und die Turnabteilung mit 14 Mitgliedern. Der Monatsbeitrag beläuft sich damals auf 50 Pfennig. Das Ziel des Vereins ist in der „Pariser Basis“ festgehalten. Er soll Gemeinschaft unter Christen stiften und missionarisch tätig sein.
Schon bald steht der junge Verein vor der größten Herausforderung seiner Geschichte. Die Eingliederung der evangelischen Jugendverbände in die Hitler-Jugend Anfang 1934 bildet eine wesentliche Zäsur für die Arbeit des CVJM in Deutschland. Alle Mitglieder unter 18 Jahren werden aus der Mitgliedschaft entlassen, um für sie die Zwangsmitgliedschaft in der Hitler-Jugend zu ver-
meiden. An die Stelle der Vereine treten Gemeindejugendkreise ohne definierte Mitgliedschaft. Im Kirchenkampf zwischen Deutschen Christen und Bekennender Kirche positioniert sich das Jungmännerwerk nicht einheitlich. Der Westbund unter Leitung von Johannes Busch erklärt sich klar für die Bekennende Kirche, während andere Regionalvereinigungen neutral bleiben oder zu den Deutschen Christen tendieren.
Auch die offizielle Tätigkeit des CVJM Langenheide ruht. „Die Arbeit“, so notiert der Chronist Wilfried Sahrhage, „geht weiter“. Nach dem Zweiten Weltkrieg muss dann vieles neu belebt werden, auch der CVJM. Und so sind die ersten Jahre nach 1945 geprägt von der Sammlung junger Männer und dem langsamen Neubeginn. 1955 tritt der CVJM Langenheide dann dem CVJM Westbund wieder bei. Der Verein blüht langsam auf, allerdings wird ein neues Problem offensichtlich.
Die Gruppenstunden können in der Langenheider Volksschule abgehalten werden. Der zugewiesene Klassenraum ist leider mit einer mangelhaften Heizungsanlage und dürftigem Mobiliar ausgestattet. Der Wunsch nach einer eigenen Herberge wird immer deutlicher, bis 1957 zusammen mit dem EC und dem Mädchenkreis ein „Antrag auf Bau eines zentral gelegenen Gebäudes in Langenheide“ gestellt wird. 1959 beginnt der Bau des Jugendheims. Durch persönlichen Einsatz der Antragsteller können die Finanzen der Kirchengemeinde geschont und die neue Herberge 1960 bezogen werden.
In den 70er und 80er Jahren sind dann die „Abende für junge Menschen“ die Hauptattraktion des CVJM. Der große Saal des Jugendheims ist voll, auch Dank des musikalischen Einsatzes des „Sing-In“. Die Vorträge und Diskussion dieser Abende bewegen manche Gemüter. Denn Gäste wie Johannes Hansen, Jürgen Werth, Klaus-Jürgen Diehl, Siegfried Fietz und Helmfried Rieker beschäftigten sich mit „Wie die Welt begann: Schöpfung oder Evolution?“, „Meine Eltern sind in einem schwierigen Alter: Wer macht wem das Leben schwer?“, „Was mache ich mit meiner Angst?“, „Das Gebet: Flucht oder Hilfe?“, „Wehrdienst: Ja oder Nein?“, „Kann denn Liebe Sünde sein? Pille-Petting-Partnerschaft“ und vielen anderen Fragen. Gerade das Thema Sexualität führte in der Presse zu starkem Nachhall.
Die wöchentliche Arbeit erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit. Neben dem Posaunenchor, dem Bibelkreis, dem Jugendklub und den Jungscharen, entsteht eine neue Gruppe. Kinder ab vier Jahren treffen sich samstags in der „Langenheider Kinderschar“ (LaKiS). Der CVJM wächst auch in den folgenden Jahrzehnten. Immer wieder lassen sich Mädchen und Jungen, Frauen und Männer ins Jugendheim einladen. Der Verein macht neben den Gruppenstunden durch Projekte auf sich aufmerksam. Er unterstützt die Kleidersammlung des Kolpingwerks, lädt zu adventlichen Nachmittagen, gestaltet Tage ums Jugendheim, veranstaltet Jugend- und Bibelabende, lässt die Jüngeren beim LEGO-Projekt eine Stadt aufbauen.
Heute ist der CVJM Langenheide mit zehn Gruppen, ca. 150 Mitgliedern und ungezählten Besuchern, die ins Jugendheim ein- und ausgehen, der größte der drei CVJM in Werther.
Quelle: Simon Freiberger in Jacobi aktuell, Oktober-November 2021, S. 10-13.
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